Ruby Tuesday Kalender 2021

Ruby Tuesday Kalender 2021

Aus bekannten Gründen hatte ich dieses Jahr leider nur eine Handvoll Live-Auftritte und für meine 3 geplanten Shows im Dezember, auf die ich mich so gefreut hatte, sieht es nun auch schlecht aus … um kreativ nicht total einzurosten, hatte ich mir schon während des 1. Lockdowns die Aufgabe gestellt, jede Woche ein Performancevideo oder Fotoset zu veröffentlichen (zu sehen auf meiner Patreon-Seite). Aus einigen meiner Lieblings-Fotos die in dieser Zeit entstanden sind – und auch aus ein paar älteren – habe ich nun einen bunten Neo Burlesque-Kalender für 2021 zusammengestellt, der über meine Website bestellt werden kann. Damit 2021 schöner wird als 2020 es war 😉

Ruby Tuesday Kalender 2021

Alle Fotos und das Layout sind von mir alias https://verenagremmer.com.

Brown Skin Showgirls

Brown Skin Showgirls

Harlem in Havana
Harlem in Havana, 1949

Wenn man sich mit der Geschichte von Burlesque beschäftigt, findet man zunächst oft nur Bilder und Artikel über weisse Tänzerinnen. People of Color waren und sind jedoch ebenfalls Teil der Burlesqueszene, auch wenn sie (noch heutzutage) oft übersehen wurden und werden. Ein schönes Zeitdokument ist das Buch „Brown Skin Showgirls“ der US-amerikanischen Filmemacherin Leslie Cunningham, deren Großmutter Mary Shirley Bates Johnson in den 1940ern einer der Stars der großen „Harlem in Havana“-Revue war.

„Harlem in Havana“ war von 1936 – 1967 die größte in Nordamerika mit einem Zelt (!) tourende Show mit mehreren Dutzend Tänzer*innen, Comedians und einer Big Band. Mehr über die Geschichte der Show lesen und das Buch bestellen kann man auf harleminhavana.com.

Sehr empfehlenswert ist dieses Video, in dem Burlesqueperformerin Bebe Bardot Leslie Cunningham per Zoom interviewt und das Jo Weldon netterweise im Rahmen ihres digitalen Buchclubs aufgezeichnet und auf YouTube zur Verfügung gestellt hat:

Burlesque-Blogs und Podcasts

Burlesque Blogs

Eine kleine Zusammenstellung lesens-, hörens- und schauens-werter Burlesque-Ressourcen:

The Pastie Tapes
US-Amerikanischer Podcast in dem Siomai Moore verschiedene bekannte Burlesqueperformer*innen interviewt.

Viv Clicquot
Burlesqueperformerin Viv Cliquot aus Vancouver teilt ihre besten Kostüm-Tips.

The Bump ’n Grind
Der US-Amerikanische Burlesquestar Angie Pontani interviewt andere Burlesquestars.

Daily Burlesque
Der Burlesque-Blog der „Headmistress of Burlesque“ Jo Weldon und ihrer „New York School of Burlesque“ mit Tips, Interviews, Artikeln und Neuigkeiten zu ihrer Schule.

Bebe Bardot
Burlesqueperformerin Bebe Bardot schreibt über persönliche Burlesque-Erfahrungen sowie über schwarze Burlesque-Geschichte.

Burlesque Hall of Fame
#MuseumAtHome Artikel zur Geschichte des Burlesque
Articles & Interviews – was der Name schon sagt.

21st Century Burlesque
Seit 13 Jahren das wichtigste internationale Burlesque-Online-Magazin von Londonerin Holli Mae Johnson (mit den jährlichen „Burlesque Top 50“).

Sexy Sunday Talk
Die Leipzigerin Mama Ulita interviewt verschiedene internationale Burlesque-größen auf YouTube.

Was habe ich übersehen? Verlinke mir Deinen liebsten Burlesque-Podcast oder -Blog in den Kommentaren.

Burlesque Film-Tip

Burleske - tschechischer Film

Zufällig habe ich in der Amazon Prime-Mediathek den tschechischen Fernsehfilm „Burleske“ von 2019 gefunden (Alternativtitel „When Cows Fly“), er ist auf tschechisch mit deutschen Untertiteln verfügbar:

Die Lehrerin Betka mag ihren Job und ist eine gute Tänzerin, fühlt sich aber in ihrem Körper nicht wohl. Über eine Freundin gelangt sie zum Burlesque, das sie schon eine Weile fasziniert. Ihre Umwelt kommt nicht damit klar, daß eine „fette“ Person sich öffentlich auszieht. Betka aber findet über ihre Auftritte zu sich selbst und freundet sich mit ihrem Körper an.

So weit, so klischeehaft und vorhersehbar. Für mich war es etwas befremdlich, daß die Hauptfigur ständig „fett“ genannt wird, obwohl sie eine ganz durchschnittliche Figur hat. Gleichzeitig wurden als Kolleginnen in ihrem Kurs und in ihrer Showgruppe nur extrem schlanke professionelle Tänzerinnen gecastet, keine Burlesqueperformerinnen. Vielleicht ist das Fernsehen noch nicht bereit zu zeigen, daß es eine erotisch-kreative Kunstform gibt, die ALLE Körper willkommen heisst und nicht nur eine einzige „fette“ Exotin?! (Die Produktionsfirma hatte zunächst bei Performerinnen aus Prag angefragt, sich dann aber gegen eine Zusammenarbeit entschieden.)

Von dieser Kritik abgesehen ist „Burleske“ aber ein netter Film, der seine Hauptfigur mag und sie auch einige coole Zeilen sagen lässt. Alles in allem ist er für ein Mainstreampublikum eine realistischere Heranführung an die Kunstform Burlesque als der amerikanische Film gleichen Namens.

Das ist der Trailer:

Neo Burlesque Makeup Tutorial

Neo Burlesque Makeup Tutorial

„In real life“ hab ich meinen Burlesque Makeup-Workshop schon ein paar Mal unterrichtet, aber ein Video-Tutorial zu machen, hat mich dann doch etwas Überwindung gekostet. Genau genommen kam es überhaupt nur dazu, weil ich mir während des Corona-Lockdowns, als alle meine Auftritte auf absehbare Zeit abgesagt wurden, einen „Patreon“-Account zugelegt habe, auf dem ich 1x die Woche für meine „Patrons“ ein Video oder Fotoset poste, um mich in künstlerischer Form zu halten.

Patreon ist eine US-amerikanische Plattform, auf der Künstler*innen gegen einen von ihnen selbst festgelegten Betrag Inhalte mit ihren Fans teilen. Im Gegensatz zu Crowdfunding ist dieses Modell auf eine langfristige Bindung ausgelegt (allerdings jederzeit kündbar). Man kann es sich ein bißchen vorstellen wie eine private Mischung aus Blog, YouTube- und Facebook-Account, aber ohne die übliche puritanische Zensur, die man von dort gewohnt ist.

Weil etwa die Hälfte meiner Follower kein Deutsch spricht, habe ich das Bühnenmakeup-Tutorial auf englisch gemacht – solltet Ihr Fragen haben, schreibt sie gerne in die Kommentare. Hier seht Ihr die 7minütige Kurzversion, den ausführlichen 23minütigen „Director’s Cut“ mit mehr Tips, schlechtem Englisch und dummen Sprüchen gibt’s natürlich für meine Patrons HIER.

Viel Spaß!

Wie finde ich meinen Burlesque-Namen?

Ruby Tuesday - Wie finde ich meinen Burlesque-Namen?
„Ruby’s Tuesday“ war der Name einer Show, die ich jeweils am 1. Dienstag veranstaltet habe.
Foto: https://verenagremmer.com

Du hast in die Welt des Burlesque hineingeschnuppert und möchtest jetzt selbst mit einem Burlesque-Namen in Erscheinung treten? Hier sind ein paar Tips, wie Du den richtigen Namen findest:

Bevor Du einen Namen aussuchst, solltest Du Dir schon Gedanken über Deine Burlesque-Persönlichkeit gemacht haben. Ist sie sexy, lustig, elegant, rebellisch, vintage, weiblich, maskulin, queer, düster, bizarr, provokant, süß, …?
Möchtest Du Dich mit Deinem Look und Deinen Acts einem speziellen Thema widmen? Dann könnte das der Name widerspiegeln. Möchtest Du verschiedene Facetten Deiner Persönlichkeit darstellen? Dann sollte Dein Name nicht zu spezifisch klingen.

Hast Du einen Spitznamen der Dir gut gefällt? Vielleicht brauchst Du nur den richtigen Nach- oder Vornamen dranzuhängen, um ihn showtauglich zu machen. Aufregender wird das Ganze gleich noch, wenn Du ein von/van/de/la/il/the … integrieren kannst. Besonders „burlesquig“ klingen übrigens Alliterationen.

Hast Du ein Anliegen oder ein Körpermerkmal, auf das Du eingehen möchtest? Dann kommst Du vielleicht auf ein Wortspiel wie „Frieda Nipples“ oder „Alotta Boutté“ (die sind leider schon vergeben).
Hast Du einen Lieblingsclub oder ein Getränk, ohne das Du nicht leben kannst? (Da fällt mir spontan „Petra Prosecco“ oder „Cara Campari“ ein – die sind noch zu haben – „Anita Drink“ ist schon vergeben 😉 )
Gibt es berühmte Persönlichkeiten oder fiktive Charaktere, die einen starken Einfluss auf Dich haben? Vielleicht kannst Du einen Teil ihres Namens oder ihres Werkes verwenden.
Mir war wichtig, einen Namen zu haben, der mich nicht auf eine bestimmte Art von Burlesque festlegt. Mein Bühnenname „Ruby Tuesday“ kommt von dem gleichnamigen Song von den Rolling Stones, dessen Text ich liebe und in dem es um eine starke Frau geht, die ohne sich um Konventionen zu scheren ihren Träumen folgt.

Vielleicht sprichst Du auch Fremdsprachen oder hast mal in anderen Teilen der Welt gelebt und fühlst Dich einem bestimmten Ausdruck oder einer Stadt verbunden? Oder Du hast inspirierende Vorfahren mit illustren Namen?

Wenn Du einen Namen ausgesucht hast, der in Frage kommt, nutze Google, Instagram, Facebook, YouTube, etc. um herauszufinden, ob ihn schon jemand anderes verwendet. Wenn das der Fall ist, auch wenn der Name vielleicht etwas anders geschrieben wird, solltest Du die Finger davon lassen, denn es könnte zu Verwechslungen kommen, Du könntest Ärger mit dem/der Performer*in bekommen und schlußendlich sollte Dein Name natürlich so einzigartig sein wie Du.

Zum Schluß noch ein paar praktische Überlegungen:
Lass Dir den Namen von anderen Leuten vorlesen – gefällt Dir der Klang? Haben die Leute Schwierigkeiten, ihn auszusprechen? Wird der Name auch in fünf Jahren noch zu Dir passen?

Und? Für welchen Namen hast Du Dich entschieden?

Tips für erste Burlesque-Auftritte

Du hast gerade Dein Burlesque-Debüt absolviert und möchtest jetzt auftreten? Hier habe ich einige Tips für Dich:

Die Bewerbung 

Recherchiere, wo Shows stattfinden, wer sie veranstaltet und ob das, was Du machst, dort grundsätzlich reinpassen würde. Deine E-Mail-Bewerbung sollte Deinen Künstlernamen, Deinen Wohnort, eine kurze Beschreibung Deiner Kunst und im Idealfall Links zu Live-Videos (in denen man die kompletten Acts gut sehen kann) und einem aussagekräftigen Social Media-Profil enthalten. 

Die Veranstaltung naht

Wenn Du gebucht wurdest, braucht der/die Veranstalter*in ein professionelles Foto von Dir, um die Veranstaltung zu bewerben. „Professionell“ heisst in diesem Fall, daß das Foto gut ausgeleuchtet ist, Dich von Deiner besten Seite zeigt, scharf ist und in hoher Auflösung vorliegt, sowie daß Du mit dem/der Fotograf*in geklärt hast, daß Du es als Pressefoto bzw. für Werbung nutzen darfst. Wenn nicht ausdrücklich etwas anderes mit dem/der Fotograf*in vereinbart ist, hat er/sie das Recht darauf, bei jeder Veröffentlichung namentlich genannt zu werden. Deswegen benenne ich meine Bilder immer „PerformerName_byFotografName.jpg“ – so weiß man gleich, was Sache ist.

Am besten benennst Du Deine Musikdatei analog dazu „PerformerName_ActName.mp3“. Wenn es nicht ausdrücklich anders gewünscht wird, sollte Deine Datei ein mp3 sein, da es mit anderen Dateiformaten oft Probleme gibt. Frag, ob Du Deine Musik vorab schicken kannst, ideal ist ein Dropbox-Link, da der weder das Postfach verstopft, noch abläuft. Als Backup solltest Du Deine Musik auch auf einem USB-Stick mitbringen. Wenn Dein Act aus mehreren Liedern besteht, speichere sie unbedingt als einen Track (Datei) ab, z. B. mit GarageBand.

Eine (Burlesque-)Show auf die Beine zu stellen und den Saal voll zu bekommen ist viel Arbeit und mit einem finanziellen Risiko verbunden, daher freut sich jede*r Veranstalter*in, wenn die gebuchten Künstler*innen die Werbung für die Veranstaltung auf ihren Profilen teilen.

Damit am Veranstaltungstag alles reibungslos läuft, solltest Du dem/der Veranstalter*in vorab mitteilen, ob Du irgendwelche Dinge brauchst (z. B. eine bestimmte Art von Stuhl). Falls Dein Act größere Mengen Glitzer, Wasser oder andere Dinge beinhaltet, die die Bühne verunreinigen, solltest Du vorher nachfragen, ob das okay ist und ggfs. eine Schutzplane mitbringen. Es ist sehr ärgerlich, wenn das Kostüm des nachfolgenden Performers verschmutzt wird oder jemand im „Dreck“ eines anderen Acts ausrutscht …

Der Abend der Show

Wenn es eine Technikprobe gibt, nimmt unbedingt an dieser teil. Überleg Dir vorab, welche Lichtstimmung zu Deinem Act passt und teile dies dem/der Techniker*in mit. Lass Deine Musik anspielen. Wenn es die Zeit erlaubt, gehe Deine ganze Nummer durch, inklusive Auf- und Abgang. Ziehe dazu Deine Auftrittsschuhe und Kostümteile an, die Probleme bereiten könnten (z. B. ein enger Rock wenn es eine Stufe gibt oder ein hohes Headpiece wenn die Decke niedrig ist). Wenn Requisiten plaziert werden müssen, zeige dem Stagekitten wo was hingehört und mache ein Foto davon, so kannst Du den Aufbau kurz vor Deinem Auftritt nochmal zeigen, wenn nötig. Dein Aufbau sollte nichts enthalten, was leicht kaputtgehen kann, besonders nichts was bei einem „Unfall“ z. B. Scherben hinterlassen kann. 

Überlege Dir vorab, wie Du angekündigt werden möchtest. Das muss kein ausgereifter Text sein, es reicht wenn Du dem Host ein paar Stichworte zu Dir und Deinem Act sagen kannst.

Denke daran, ausgezogene Kostümteile immer an den (seitlichen) Bühnenrand zu werfen, damit Du nicht darauf herumtanzen oder drüberstolpern musst und sie möglichst aus dem Blickfeld des Publikums sind. Achte auch darauf, daß Du sie nicht genau in den Bühnenaufgang wirfst, damit der Host ohne Probleme auf- und Du abgehen kannst.

Und jetzt viel Spaß beim Auftreten!

Foto: https://verenagremmer.com

Was ist Burlesque?

Ruby Tuesday Burlesque

Die Geschichte des „Burlesque“

Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert waren Burlesqueshows Mainstream, bestanden neben Tänzerinnen auch aus Bands, Comedians und anderen Varietékünstlern. Zunächst standen bei den Burlesquedarbietungen Witze und Parodien im Vordergrund, nach und nach kamen auch Striptease-Elemente hinzu. Der Burlesquetanz in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der glamouröse, humorvolle, züchtigere Vorgänger des heutigen Striptease. In dieser Zeit wurden Burlesqueshows überwiegend von Männern besucht. 

Durch das Aufkommen des Fernsehens wurden die aufwendigen Burlesqueshows verdrängt, nur das Strip-Element konnte sich durchsetzen und wurde schließlich zu dem, was man heute als „Striptease“ oder „Tabledance“ kennt.

In den frühen 1990er Jahren begannen Stripperinnen in den USA (u. a. Jo Weldon und Dita von Teese) ihre Strip-Performances fantasievoll zu gestalten und entdeckten das damals vergessene Genre Burlesque wieder – „New Burlesque“ (oder „Neo Burlesque“) war geboren. Ihre Vorgängerinnen waren zwar gemessen an der Zeit in der sie lebten auch schon relativ selbstbestimmt, mussten damals aber doch hauptsächlich dem männlichen Blick gefallen. Die „New Burlesque“-Performerinnen sahen jedoch in dieser Ausdrucksform vor allem die Möglichkeit, sich kreativ und ohne Zwänge und Normen auszutoben, was zur Folge hatte, daß ein überwiegend weibliches Publikum Gefallen an ihren Shows fand. Die Burlesque-Welle schwappte sodann – oft auch verbunden mit dem Swing-Revival – nach Europa, Australien, Japan und Russland.

Was unterscheidet heutzutage „Burlesque“ von „Striptease“?

Ganz unromantisch gesehen kann man mit Striptease Geld verdienen, mit Burlesque eher nicht: Beim Striptease geht es darum, daß die/der Tänzer*In der/m Zuschauer*In gefällt, beim Burlesque geht es darum, daß der/die Tänzer*in sich selber gefällt. Beim Striptease geht es vor allem um nackte Tatsachen, beim Burlesque geht es um den kreativen, künstlerischen Weg zu den fast nackten Tatsachen. Das Eine gäbe es ohne das Andere nicht und technisch gesehen sind Burlesquetänzer*innen auch Stripper*innen.

Verschiedene Arten von „Burlesque“

Die moderne Gallionsfigur des Burlesque Dita von Teese steht wie keine andere für die glamouröse Variante unserer Kunst und ist mit den Shows, die sie auf die Bühne bringt, nahe am heutigen Mainstream-Schönheitsideal. Als „klassisches“ Burlesque versteht man heute glamouröse Acts, oft im Stile der 50er oder 20er Jahre, meist dargeboten von kurvigen Damen in der Blüte ihrer Jahre.

„Boylesque“ ist Burlesque dargeboten von Männern, wobei in der Burlesqueszene oft darüber diskutiert wird, daß es diese Unterscheidung eigentlich nicht geben sollte.

Desweiteren gibt es unzählige Unterkategorien wie z. B. „Comedy-Burlesque“, „Political Burlesque“, „Horrorlesque“, „Draglesque“ … und so ziemlich alles, woran man ein „lesque“ hängen kann.

Wer kann „Burlesque“ machen?

Prinzipiell jede*r. In den paar großen, finanziell erfolgreichen Burlesqueshows, die es gibt, sieht man natürlich hauptsächlich relativ junge, schlanke, weibliche Körper, aber die Burlesqueszene, die zu etwa 95% aus „selbstgemachten“ Shows besteht, ist sehr bemüht, Körper aller Art auf die Bühne zu bringen und mit den angelernten Konventionen, was einen schönen Körper ausmacht, zu brechen. 

Was macht eine*n gute*n Burlesqueperformer*in aus?

Er/Sie sollte sich gut bewegen können, kreative Ideen für Acts haben, das Publikum mit Persönlichkeit fesseln und bereit sein, viel Zeit (oft auch viel Geld) in ein außergewöhnliches Kostüm und ein aussdruckstarkes Makeup sowie eine interessante Choreographie zu investieren. Ein wirklich guter Burlesque-Act muss über mehrere Jahre reifen – ein 50€-„Burlesquekostüm“ von Amazon zu den Klängen von „Welcome to Burlesque“ einfach nur Teil für Teil auszuziehen, ist kein guter Burlesque-Act.

Ist „Burlesque“ feministisch?

Der wichtigste Grund, warum viele Performer*innen die Strapazen auf sich nehmen, Shows auf die Bühne zu bringen, ist, daß es einfach ein richtig gutes Gefühl ist, sich auf der Bühne ausleben zu können und für seinen eigenen Körper, Mut und künstlerischen Ausdruck vom Publikum gefeiert zu werden. Fast alle Burlesqueshows werden von Frauen veranstaltet, die Performer sind zumeist Frauen und das Publikum ist überwiegend weiblich. Wo sonst ist Frau Herrin über jedes einzelne Detail ihres Auftritts und wird dafür gefeiert, auch wenn sie nicht dem „perfekten“ Mainstream-Ideal entspricht?

Die allermeisten Burlesqueperformer*innen sehen sich daher als Feminist*innen, obwohl es natürlich innerhalb des Feminismus unterschiedliche Meinungen gibt, was Erotik und Nacktheit betrifft.

Hier seht Ihr einige meiner Lieblings-Acts:

Medianoche Miss Exotic World the Reigning Queen of Burlesque 2017 from Burlesque Hall of Fame on Vimeo.

Rubyyy Jones, Winner of Most Innovative 2017 from Burlesque Hall of Fame on Vimeo.

Starlight Burlesque Presents Performance By Perle Noire from Stan Trac on Vimeo.

Lolo Brow’s Burlesque Shuffle. from Lolo Brow on Vimeo.

Octopussy – Tronicat La Miez from Zismo on Vimeo.

Harden Reddy – Winner, Best Boylesque from Burlesque Hall of Fame on Vimeo.

Burlesque-Termine in München findest Du auf „Burlesque in München“

Burlesque-Termine in ganz Deutschland findest Du in der Facebook-Gruppe

Das Buch über die deutsche Burlesqueszene: Burlesque Republic

Du hast ein Theater, eine Bar oder einen Club und möchtest dort eine Burlesqueshow veranstalten? Ich berate Dich gerne!

Sollen Burlesque-Newcomer umsonst auftreten?

Ruby Tuesday bei der Munich Allstars Show der Filly Follies, Foto https://jungundwild-design.de
Ruby Tuesday bei der Filly Follies Munich Allstars Show, Foto https://jungundwild-design.de

Keiner macht Burlesque des Geldes wegen, so viel ist sicher. Trotzdem sollten Performer ihren Wert kennen und sich nicht unter selbigem verkaufen.

Natürlich kann ein Newcomer nicht die gleiche Gage verlangen wie ein etablierter Performer, aber umsonst sollte niemand auftreten. Ich schreibe absichtlich „umsonst“ und nicht „kostenlos“, denn manchmal kann ein Auftritt ohne Gage Sinn machen, wenn er einen anderen Nutzen bringt, z. B. wenn man ein hochwertiges Video seines neuen Acts erhält oder es sich um eine Veranstaltung für einen guten (!) Zweck handelt.

Wenn aber Anfragen von Fremden – besonders von Firmen oder Veranstaltern außerhalb der Burlesqueszene – kommen, die „leider kein Budget haben“ oder einen kostenlosen Auftritt als „tolle Werbemöglichkeit für Dich“ verkaufen wollen, kann es nur eine Antwort geben: „Nein!“

Natürlich formuliert man die Antwort nicht so, sondern schreibt sowas wie: „Vielen Dank für Ihre Anfrage … für XXX € bin ich gerne bereit, bei Ihrer Veranstaltung aufzutreten.“ Somit signalisiert man nicht nur Bereitschaft zur Zusammenarbeit, sondern stellt gleich klar, was eine Burlesqueperformance wert ist.

Ein Newcomer denkt nun vielleicht „Ich brauche dringend Bühnenerfahrung, also mache ich den Auftritt für die Firma XY umsonst, bringt mir sicher auch Fans!“

Dieser Gedanke ist natürlich nachvollziehbar, wenn man gerade erst ein paar mal in der Show der Tanzschule aufgetreten ist. Leider ist aber das zu erwartende Publikum bei einer externen Anfrage für einen kostenlosen Auftritt in keiner Weise mit einem Publikum bestehend aus Familien und Freunden zu vergleichen. Auf z. B. einer Messe oder in einem Laden ist man i. d. R. der einzige Burlesqueperformer, hat oft keinen richtigen Backstagebereich, keine richtige Bühne, wird nicht oder falsch angekündigt und tritt meist vor Leuten auf, die nicht wissen was Burlesque ist, und die eigentlich wegen etwas anderem zur Veranstaltung gekommen sind. Der Spaß hält sich also in Grenzen.

Doch noch etwas sollte ein Newcomer bedenken: klar, Du hattest schon ein paar Auftritte und bist super stolz auf Deinen zweiten Act, aber Deine Performance und Deine Kostüme sind höchstwahrscheinlich noch nicht so ausgereift wie die eines etablierten Burlesqueperformers, der schon viele hundert Stunden und Euro mit Recherche, Training, Nähen und Makeuptutorials verbracht hat. Wenn Du aber als „Burlesque“ angekündigt wirst, weiss das unkundige Publikum nicht, daß Du noch nicht so lang dabei bist und wird Dich mit dem ganzen (unbekannten) Genre Burlesque gleichsetzen, was Aussagen schürt wie „jeder kann Burlesque machen“ (prinzipiell ja, aber richtig gut wird man nur mit viel Leidenschaft, Ausdauer, Kreativität und Arbeit) oder „da zieht halt eine auf der Bühne ihr Korsett aus“ .

Dazu kommt noch, daß bezahlte Burlesqueauftritte sehr rar gesäht sind und die Bereitschaft von Veranstaltern bzw. Kunden einen professionellen* Performer zu einem angemessenen Preis zu buchen noch weiter sinkt, wenn sie auch einen Newcomer für sehr wenig Geld oder gar 0€ bekommen können.

Wie also soll man Bühnenerfahrung sammeln?
Tanzschulinterne Veranstaltungen sind eine tolle Möglichkeit, in sicherer Umgebung zu üben. Bevor man das erste Mal „in freier Wildbahn“ auftritt, sollte man sich gut überlegen, ob es vielleicht negative Konsequenzen im Job haben könnte, wenn man von jemandem aus dem beruflichen Umfeld gesehen wird.
Gute Stagemaids werden bei Burlesqueshows immer gesucht und dieser Posten ist eine großartige Möglichkeit, Erfahrung auf der Bühne zu sammeln, aus erster Hand von guten Performern zu lernen, Einblicke in die Organisation von Shows zu bekommen und Kontakte in der Szene zu knüpfen.
Natürlich kann man sich auch als Newcomer gezielt bei Shows bewerben, vorher sollte man aber recherchieren, ob man zur jeweiligen Show passt und dann eine Email mit Infos, Fotos und einem Link zum Video des/der Acts zusammenstellen und an den Veranstalter schicken.
Zuletzt gibt es natürlich noch die „Open Stages“, die man sich aber unbedingt im einzelnen ansehen sollte, bevor man beschliesst dort aufzutreten.

Wann ist man kein Newcomer mehr?
Dafür gibt es keine festen Regeln, ich würde sagen, wenn man über einen längeren Zeitraum hinweg mehr oder weniger regelmäßig gegen Bezahlung auftritt.

Fazit: Gute Burlesqueperformer und gut bezahlte Burlesqueauftritte fallen beide nicht vom Himmel, also wünsche ich Euch viel Motivation und Durchhaltevermögen und sage „an die Arbeit“!

*mit „professionell“ meine ich einen Performer, der eine hochwertige Show auch unter schwierigen Bedingungen abliefert, nicht jemanden, der ausschließlich von Burlesque lebt, denn das ist in Deutschland nahezu unmöglich.

Tips für Burlesque-Showgirls (und Boys)

Hier bekommt Ihr einige Tips von meinen geschätzten Kolleginnen und mir, die das Showgirl-Leben leichter machen .

Ruby Tuesday Burlesque bei den "Filly Follies Allstars"
Ruby Tuesday bei den „Filly Follies Allstars“ im Juli 2016, Foto von Mica Zeitz https://jungundwild-design.de

– Immer rechtzeitig vor der Premiere eines neuen Acts mit dem gesamten Kostüm proben, inkl. Perücke/Schmuck/Schuhe/Pasties/… das kann u. U. alles verändern.
– Kostüme in durchsichtigen Plastiktaschen aufbewahren, das spart Gewühle. Wenn man ein Teil herausnimmt um es anderweitig zu verwenden, einen Zettel hineinlegen, damit es nicht beim nächsten Auftritt vergessen wird.
– Wenn man in „Burlesque-fremder“ Umgebung auftritt, unbedingt vorher abklären, daß jemand die gefallenen Kostümteile aufsammelt.
– Dem DJ/Techniker Bescheid sagen, wenn ein Track aus mehreren Liedern besteht, damit er nicht zwischendrin Stop drückt.
– Für viele Lichttechniker bedeutet Burlesque „Funzellicht“, deswegen sage ich zu (Burlesque-ungeübten) Technikern immer „lieber zu hell, als zu dunkel“.
– Immer den Namen des Fotografen angeben und am besten zu seiner Seite verlinken. Und bei Bildern, für die man nicht bezahlt hat, unbedingt fragen, ob und für was man sie verwenden darf.

Mama Ulita
Immer eine Rolle Floristendraht im Gepäck! Damit kann man fast alles reparieren.

Elsie Marley
Titten Vodka! Wenn’s mal nicht richtig klebt. Und mit Wasser gemischt in einer kleinen Sprühflasche für Kostüme die man nicht waschen kann (Z. b. Vintage Pailletten etc.).

Beatrice Baumann
– Es gibt Miniheißklebepistolen mit Akku für die Reise.
– Vor der Show immer auf der Bühne mit den Auftrittsschuhen proben und auf Unebenheiten achten.
– Immer eine Miniapotheke einpacken, Aspirin für den nächsten Tag nicht vergessen.

Louise The Breeze
Musik immer auf USB dabei und so benannt: „ArtistName_Act“ (oder „Künstler_Fotograf“ bei Fotos)

Fräulein Flauschig
Ich habe immer ein kleines Handtuch dabei – nicht alle Bühnenscheinwerfer sind LEDs, da kann es echt mal heiß werden, immer etwas zum schnell überwerfen mitnehmen manchmal kommt der Courtain Call schneller als gedacht, ich nehme immer eine extra Tasche mit, in die das Stagekitten mein Kostüm legen kann, dann sind schon getragenes und nächstes Kostüm nicht durchmischt falls man aus dem Koffer auftritt.

Sugar La Luz
Ersatzstrümpfe und -pasties einpacken.

Dia Décadence
Nachsehen ob das Stage Kitten alle Kostümteile gefunden & mitgebracht hat, bevor man den Laden und die Stadt verlässt.
(Und nachsehen, ob man auch alle eingepackt hat …)

Aphrodite DeVine
IMMER nochmal pinkeln gehen bevor man das Kostüm anzieht …

Minouche Von Marabou
Leggings und warme Socken einpacken – ich fröstele oft während dem Schminken. Und für G-Strings verwende ich immer Tanga-Slipeinlagen.

Lilou Frou Frou
– Die to-do-&-Packliste in eine Klarsichtfolie stecken und beim Kofferpacken mit wegwischbarem Stift abzeichnen. So vergisst man nichts und kann die Liste mit einem Wisch wiederverwenden …
– Teure Make-up-Pinsel alle gleich kennzeichnen/markieren á la Make-up-Artist, dann gibts Backstage keine Verwechslung.

Tronicat la Miez
Federn immer in Stoffbeuteln lagern, dann halten sie länger.

Mademoiselle Parfait de la Neige
– Klorophonium oder zur Not Coca Cola benutzen, wenn die Schuhe bzw. der Boden zu glatt ist. Per internet bestellen, die Steine hinter der Bühne parat haben und mit dem Schuh kapputt treten. Wunderbar!
– Nagellack nie vergessen für die Nägel, und klaren Nagellack für die Strumpfhosen/Strümpfe.

Tinka Demand
Sofern Heels und Strümpfe ausgezogen werden ein paar FlipFlops/Puschen für den Weg zurück ins Backstage sowie einen Kimono/Morgenmantel im Gepäck haben. Und ein Handtuch für den Boden des Backstage einpacken zur Sicherheit, falls dieser mal nicht so sauber oder einfach nur kalt ist.